Wenn die große Lösung die billigere ist
Main-Echo Pressespiegel

Wenn die große Lösung die billigere ist

Gemeinderat: Blankenbacher Kindergarten erhält Erweiterungsbau - Zunächst Container als Interimslösung
BLANKENBACH  Von un­se­rem Re­dak­teur JO­SEF PÖM­MERLDer Kin­der­gar­ten in Blan­ken­bach wird ver­grö­ß­ert. Zu­nächst nur pro­vi­so­risch mit ei­nem Con­tai­ner, spä­ter ist ein Er­wei­te­rungs­bau vor­ge­se­hen. Da­zu soll ein Ar­chi­tek­ten­wett­be­werb statt­fin­den, hat der Ge­mein­de­rat am Mon­ta­g­a­bend bei ei­ner Son­der­sit­zung be­sch­los­sen.
Der Beschluss ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe aus Vertretern des Landkreises, der Gemeinde und des Kindergartens, die am Montag zuvor alle Optionen für eine Erweiterung durchgegangen ist. In der regulären Gemeinderatssitzung vor zwei Wochen hatte sich das Gremium auf keine Lösung einigen können, daher den Arbeitskreis einberufen.
Benötigt wird eine Erweiterung des Kindergartens aus drei Gründen: Zu einen gibt es mehr Kinder in Blankenbach. Zum anderen sind Kinder heute früher und länger in Betreuungseinrichtungen.
Zudem fordert der Freistaat jetzt eine umfangreichere Ausstattung der Kindergärten mit Räumen. So fehlen in Blankenbach beispielsweise ein Wartezimmer für Eltern oder ein Raum für Kinderwagen. Daher müssten derzeit in ganz Bayern die Gemeinden ihre Kindergärten erweitern, so Bürgermeister Matthias Müller (CSU).
Zur Debatte als Interimslösung standen unter anderem ein Umbau des Bürgersaals, des Hauses der Vereine oder des Turnraums im Kindergarten. Hinzu kam die sogenannte »kleine Lösung«, die Bürgermeister Matthias Müller vorgeschlagen hatte. Der Kindergarten sollte die Räume der Gemeindekanzlei erhalten, diese dafür in einen Container umziehen.
Diese Ideen scheiterten letztlich. Dafür wurde ein neuer Vorschlag gemacht, der als die »große Lösung« bezeichnet wurde. Der Kindergarten selber solle einen Container für weitere Krippenplätze erhalten, bis ein Erweiterungsbau des Kindergartens steht.
Mehrere Vorteile
Obwohl diese Lösung als »groß« bezeichnet wurde, ist sie deutlich günstiger als die »kleine Lösung« und bietet weitere Vorteile:
- Bürgersaal und Gemeindekanzlei bleiben erhalten. Es sind keine größeren Um- und späteren Rückbauten erforderlich.
- Der Container ist besser für die Betreuung geeignet als die kleinen Räume der Gemeindekanzlei.
- Die Lösung ist flexibler. Der Container wird zunächst für 24 Monate geplant, kann aber notfalls auch länger - bis zu fünf Jahre - stehen, falls der Erweiterungsbau nicht rechtzeitig fertig wird.
Für den Container rechnet die Verwaltung mit 8000 Euro Kosten für die Bauvorbereitung, 14 500 Euro einmalig und dann 2600 Euro Miete im Monat. Hinzu kommen Abbaukosten von 3800 Euro. Entschieden wurde, dass der Container quer und nicht längs zum Fahrradweg nach Erlenbach errichtet wird. Dabei ragt er zwar in den Radweg hinein, allerdings nur minimal im gepflasterten Randbereich des Wegs. Da bereits 120 000 Euro für den Kindergarten im Haushalt eingeplant sind, sollen diese Mittel dafür verwendet werden. Die Containermiete wird zu 30 Prozent von der Regierung von Unterfranken gefördert. Geprüft werden soll noch, ob der Kauf eines Containers wirtschaftlicher ist; für einen Kauf gibt es aber keine Förderung des Bezirks.
Sitzungstermin verlegt
In der letzten Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause soll die Baugenehmigung für den Container beschlossen werden. Die Sitzung wurde einstimmig vom 20. auf den 27. Juli verlegt, in der Hoffnung, bis dahin alle Zahlen zusammengetragen zu haben. Bis Oktober soll der Container stehen.
Der Container ist aber nur der erste Schritt. Mittelfristig ist ein Erweiterungsbau notwendig. Für die nächsten Jahre sieht der Gemeinderat einen zusätzlichen Bedarf von zwölf Krippenplätzen, wurde einstimmig beschlossen - wichtig für die Beantragung von Zuschüssen. Hinzu kommen weitere Räume in einer Größenordnung von 120 Quadratmetern. Die Kindergartenaufsicht im Landratsamt hat zudem vorgeschlagen, einen Speisesaal mit etwa 75 Quadratmetern einzuplanen, der komplett bezuschusst werde.
Um Ideen für den Anbau zu erhalten, soll ein Architektenwettbewerb realisiert werden. Ein erstes Architektenbüro habe sogar schon einen Initiativentwurf geschickt, berichtete Bürgermeister Müller. An dem Wettbewerb sollen sich vier Büros beteiligen, die jeweils mit 2000 Euro honoriert würden.
Bürgersaal mit einbeziehen?
Diskutiert wurde, in welchen Bereichen die Architekten planen dürfen. Felix Becker (CSU) schlug vor, den Bürgersaal im Obergeschoss für die Kindergartenerweiterung mit einzubeziehen und dafür einen ganz neuen Bürgersaal an anderer Stelle zu bauen. Matthias Müller bezweifelte, dass es dafür Zuschüsse gibt.
Auch kam die Frage auf, ob man nicht den geplanten Anbau am Feuerwehrhaus in den Wettbewerb mit einbeziehen solle. Der als Zuschauer anwesende Ehrenkommandant Bernhard Behl warnte davor, den ausgehandelten Platzbedarf der Feuerwehr wieder in Frage zu stellen.
Da sich der Arbeitskreis so gut bewährt habe, soll sich dieser nun am kommenden Montag erneut treffen und die Bedingungen für den Architektenwettbewerb festlegen, wurde letztlich beschlossen.

08.07.2020
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